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Freitag, 4. Februar 2011

Licht und Schatten

Matepha blickte sich um. Das war also Tausend Nadeln. Eine Schlucht voller Wasser und an den Hängen lebten Zentauren und hauste dieser seltsame Schattenhammerkult. Teralios Augen leuchteten, er war mal wieder ins Bergbaufieber gefallen und Erze gab es hier in großer Zahl. Nachdenklich betrachtete er die Kleidung der Kultisten. „Also... auch wenn dieser komische Kult nichts Gutes im Sinn hat... zumindest sehen die Klamotten gut aus. Komm wir verkleiden uns und sehen was wir herausfinden können.“

Matepha fand die Vorstellung, Kleidung von Toten zu tragen etwas seltsam, willigte aber doch ein und beobachtete die Priester des Kultes. Der ganze Kult schien sich in einer Art Trance Zustand zu befinden. Man bemerkte die Freunde kaum und man erkannte sie auch nicht als Fremde.

„Du, ich werde mal Erze schmelzen gehen.Treffen wir uns beim Schiff?“ fragte Teralio nach kurzer Zeit gelangweilt und nachdem Matepha eingewilligt hatte verschwand der Elf für Stunden in einer Schmiede.

Matepha drang noch ein wenig tiefer in das Lager der Kultisten ein. Langsam begann er sich wohl zu fühlen. Der Dunst hielt die Strahlen der Sonne ein wenig ab und der Chor der Kultisten war eintönig und brachte etwas in ihm zum Schwingen. Nach kurzer Zeit meinte er Teile davon wieder zu erkennen. Choräle der Elune, etwas abgewandelt, aber fast so wie er sie von Natalia damals gelernt hatte. Er spürte wie sich die Worte in seinem Kopf bildeten bevor er sie verstand und bemerkte plötzlich ein Buch zu seiner rechten. Neugierig schlug Matepha es auf und prallte mit einem Schrei zurück. Jemand, etwas, schien mit kalter Hand nach seinem Kopf und seinem Herzen zu greifen, schien direkt in ihn hineinzusehen. Mit einer raschen Bewegung schlug Matepha das Buch zu, riss sich die Verkleidung herunter und machte sich schnellstmöglich auf den weg zum Schiff.

Matepha spürte wie sich etwas in ihm verändert hatte. Immer wieder ertappte er sich dabei wie er mit dem Schatten verschmolz. Er wollte das nicht. Es fühlte sich gut an aber es konnte nicht Elunegefällig sein. Nach wenigen Tagen sprach Teralio ihn darauf an „Was ist das für ein lila Dunst?“

„Welchen lila Dunst meinst du?“

„Den, der dich ab und an umgibt. Und stell dich nicht dumm, ich hab's gesehen.“

„Mmh. eigentlich sind das nur Nebenwirkungen der Kampfzauber.“ erwiderte Matepha.

„Nebenwirkungen? Dass du fast so aussiehst als wärst du ein Schatten ist eine Nebenwirkung? Das gefällt mir nicht.“

„Heilung ist Licht, Kampf ist Schatten.Wenn man viel kämpft, so wie wir in diesen Tagen, bildet sich eine Schattenkraft. Wenn du möchtest werde ich dich nur noch heilen, aber dann werden die Kämpfe länger dauern“ Matepha wusste das dies nicht ganz der Wahrheit entsprach, aber was sollte er seinem Freund erzählen?

„Wozu musst du kämpfen? Du hast doch mich. Lehrt Elune nicht ohnehin den Frieden?“ erwiderte Teralio erregt.

„Natürlich lehrt sie den Frieden. Aber was willst du mit Frieden ausrichten wenn du angegriffen wirst? Wenn du immer nur die Hand ausstreckst wird sie dir irgendwann abgeschlagen.“

„Natürlich muss man sich verteidigen können, da hast du ja Recht. Aber mit dem Schatten eins zu werden - das halte ich für falsch. Der Schatten, in den du dich hüllst, ist zerstörerisch.“

Matepha blickte zu Boden. „Du weißt das ich unglücklich bin. Das dieses Leben als Elunepriester nicht das war was ich mir vorgestellt habe. Es fühlt sich leer an. Es ist wie das Meer mit einem Eimer ausschöpfen zu wollen. Ich beginne wieder mich lebendig zu fühlen. Wie früher, bevor das alles passiert ist.“

„Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll... außer dass du einen Fehler machst. Ich will nur nicht zusehen, wie du einen vielleicht schrecklichen Pfad beschreitest... ich sollte gehen... möge Cenarius über dich wachen, bis wir uns wiedersehen“

Nun war er also allein. Allein mit sich, dem Schatten, und der Stimme in seinem Kopf.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Der Ruf

Tandral erwachte am frühen Morgen und strich lächelnd dem noch schlafenden Kilean eine Strähne aus dem Gesicht. Nordend tat ihnen gut. Fernab von allem waren sie sich wieder näher gekommen. Als er sich über ihn beugte und ihm einen Kuss auf die Stirn gab, spürte er wie ihn Lust und Schmerz durchfuhr. In seinem Kopf spürte er den Ruf seines Kommandanten und wälzte sich leise aus dem Bett.

Kilean erwachte und sah Tandral verstört an. „Tandral, was ist los?“ „Nichts.“ erwiderte der Krieger während er seine Rüstung anlegte. „Ich wollte nur sehen ob ich ein paar Erze finde. Heute ist so ein schöner Morgen und vielleicht habe ich Glück und finde ein paar gute Steine.“ Kilean lächelte und kuschelte sich wieder in die Kissen. „Ich werde auf dich warten“


Tandral flog zu dem Kristallbaum südlich von Dalaran und machte sich auf die Suche. Als er die Gestalt im gleißenden Licht stehen sah, beugte er mit einem lächeln das Knie vor ihr.

„Wie kommst du mit deinem Auftrag voran?“

„Gut“ erwiderte Tandral und erstattete dem Elfen vor ihm Bericht.

„Was ist mit Natalias Sohn?“

„Kilean nimmt sich seiner an, so kann ich ihn auch ein wenig im Auge behalten. Ebenso wie den kleinen Priester, der Teralio begleitet.“

„Ein Priester?“ fragte der Elf und Tandral erzählte ihm das was er wusste.

Die Gestalt nickte. „Hüte dich vor Yogg Sarons Einfluss und verlasse Nordend so schnell wie möglich. Und jetzt verschwinde.“

Tandral nickte und schwang sich auf seinen Greifen um noch ein wenig nach Erzen zu suchen. Er konnte schließlich nicht mit leeren Händen zu Kilean zurückkehren.




Mit geschlossenen Augen lehnte Matepha an einem Baum und lauschte dem zwitschern der Vögel. Teralio war wieder einmal irgendwohin verschwunden und genoss die Sonne auf seinem Pelz in vollen Zügen. Matephas Elunefarbene Haut hatte das nie vertragen und so hatte er sich angewöhnt, im Schatten der Bäume, oder an einem andern kühlen und schattigen Plätzchen zu studieren. Mit einem Seufzen blickte er auf das Buch neben sich hinab. Noch mehr Regeln, noch mehr Gebete. So hatte er sich das nicht vorgestellt. Jetzt, wo er Darnassus verlassen hatte konnte er sich seine Zeit frei einteilen, aber das Feuer in ihm wollte nicht so lodern wie er es sich erhofft hatte. Insgeheim beneidete er Teralio um seinen Mentor, der zwar weit weg, aber wenigstens vorhanden war. Er hatte niemanden gefunden, in dessen Augen die Leidenschaft so sehr geglüht hatte, wie in den Augen von Teralios Mutter, Natalia.

Sicher bereitete es ihm Freude Elune zu dienen aber irgend etwas sagte ihm das dies nicht alles war. Nicht einmal seine flüchtigen Liebschaften in Darnassus hatten diese Lücke füllen können.